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Landkreis Reutlingen:

Sterben in Würde: Das Palliativ-Netzwerk stellt sich vor

Es ist in unserer Gesellschaft ein Tabuthema - und das obwohl es jeden irgendwann in seinem Leben betrifft: das Sterben. Trotzdem bewegt die Frage nach Selbstbestimmung, Würde und Lebensqualität am Lebensende zahlreiche Menschen. Wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist, kommt die Palliativversorgung ins Spiel. Dabei geht es um viel mehr als um das Lindern von Schmerzen. Im Landkreis Reutlingen hat sich ein Palliativ-Netzwerk gebildet - bestehend aus Ärzten, Hospizgruppen, Altenpflege, Behindertenhilfe, Kirchen und Landratsamt, aber auch aus Ehrenamtlichen. Ihr Ziel: Lebensqualität auch bei schwerer Erkrankung.

Das Hospiz Veronika in Eningen. Eine der wohl bekanntesten Palliativeinrichtungen im Landkreis – wenn auch bei weitem nicht die einzige. Schon vor einigen Jahren hatte das Landratsamt untersucht, welche Palliativ-Angebote es gibt, berichtet Sozialdezernent Andreas Bauer. "Es gibt zum einen sehr, sehr viele Angebote, es gibt sehr viele Menschen, die sich haupt- und ehrenamtlich engagieren, aber Verbesserungsbedarf gibt es durchaus noch in der Zusammenarbeit der verschiedenen Angebote", so Bauer.
 
Und außerdem: Über die Angebote im Palliativ-Bereich ist wenig bekannt. Das wollen die Akteurinnen und Akteure des Netzwerks ändern. So beispielsweise mit einer Veranstaltungsreihe. Dabei gilt es auch mit Mythen aufzuräumen.  Dr. Barbara Dürr ist Ärztin und stellvertretende Vorsitzende der Stiftung Palliativpflege. Sie sagt: "Wenn diese Krankheit auf den Tod zusteuert, kann diese palliative Begleitung auch über Jahre gehen, Diagnosestellung beginnt diese palliative Begleitung, dann werden viele andere Symptome wie Atemnot, Übelkeit, Schlaflosigkeit, auch gelindert."
 
Eine gute Versorgung im Landkreis Reutlingen – und das flächendeckend. Denn das Hospiz Veronika ist zwar das einzige stationäre Hospiz, es gibt aber dazu in jeder Region des Landkreises ambulante Hospizarbeit. Doch im ländlichen Raum ist die Versorgung noch ausbaufähig. So soll im Bereich Hayingen / Zwiefalten noch eine Versorgungslücke geschlossen werden.  Silvia Ulbrich-Bierig, Geschäftsführerin des Ambulanten Hospizdienstes Reutlingen: "Wenn man mit dem Thema nichts zu tun hat, befasst man sich nicht damit, und dass es unheimlich wichtig ist zu versuchen, möglichst viele Menschen zu erreichen, wir kommen alle mal in die Situation, dass wir eine gute Versorgung wünschen."
 
Ein weiteres Ziel des Netzwerks ist der Ausbau der Kompetenz bei allen Beteiligten. Ob Pfleger, Ärzte oder Angehörige: Sie alle sollen geschult werden. Dabei kommt es nicht nur auf medizinisches Wissen an sondern auch auf die Haltung.  Das sagt Leonore Held-Gemeinhardt von der Altenhilfeberatung Landkreis Reutlingen. "Es geht auch darum, die Haltung zu haben, dass letztendlich die Beteiligten alles dazu beitragen wollen, die Lebensqualität und die individuellen Bedürfnisse des Schwersterkranken zu verwirklichen und zu erfüllen.", so Held-Gemeinhardt.
 
Deshalb ist bei Todkranken auch ein Notfallplan vonnöten, so Dr. Ulrich Binder, Oberarzt an den Kreiskliniken Reutlingen. Denn der Zustand von Sterbenskranken verschlechtert sich gerade auch Nachts und an Wochenenden, wenn die Ärzte, die den Patienten eigentlich betreuen, nicht verfügbar sind.  "Der Notdienst kennt die Patienten in der Regel nicht. Es gilt grundsätzlich „Im Zweifel für das Leben“, das heißt: Patient, der sich dramatisch verschlechtert hat, wird wiederbelebt, kommt ins Krankenhaus, jemand, der vielleicht wirklich darauf gewartet hat, dass er sterben darf, bekommt jetzt eine Antibiotika-Therapie", so Dr. Binder.
 
Der Notfallplan ist eine Seite, auf der die Nothelfer auf dem ersten Blick sehen können, was der Patient wünscht. Das gibt den Medizinerinnen und Medizinern die Möglichkeit, im Notfall im Sinne des Patienten zu entscheiden.

(Zuletzt geändert: Freitag, 11.08.17 - 17:22 Uhr   -   690 mal angesehen)
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