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Unkrautvernichter:

Streit um verlängerte Glyphosat-Zulassung - Umweltverbände enttäuscht, Zoff zwischen Union und SPD

Streit in der Großen Koalition über die verlängerte Zulassung des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat. Mit seiner Zustimmung in Brüssel habe Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) eigenmächtig gehandelt und die SPD-Minister der geschäftsführenden Regierung übergangen, kritisiert die SPD. Auch Umweltverbände sind sauer. Schmidt hingegen rechtfertigt sich.
Landwirtschaft

Der geschäftsführende LandwirtschaftsministerChristian Schmidt (CSU) habe die SPD-Minister der geschäftsführenden Regierung "in völlig unseriöser Art und Weise übergangen", schimpft der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach im Berliner "Tagesspiegel".

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hingegen hat die Entscheidung für eine Verlängerung des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat verteidigt. "Mit unserer heutigen Zustimmung zur weiteren Zulassung von Glyphosat für fünf Jahre konnten wir wichtige Bedingungen durchsetzen", sagte Schmidt der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post".

Der Minister nannte die "Stärkung der Rolle von Biodiversität und Tierschutz", weitere Aufklärung im Hinblick auf die gesundheitlichen Gefahren für den Menschen und eine "Prüfung der Optimierungsmöglichkeiten des Genehmigungsverfahrens für Pflanzenschutzmittelwirkstoffe". Schmidt begründete das deutsche Abstimmungsverhalten in Brüssel, damit dass die EU-Kommission "sich ohnehin für die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat entschieden" hätte. "Die Kommission hätte damit den Wirkstoff ohne diese Bedingungen verlängert." National werde man zusätzliche Maßnahmen im Sinne restriktiverer Anwendungen ergreifen, versprach Schmidt.

Die EU-Mitgliedstaaten stimmten mehrheitlich dafür, die Zulassung des Pestizides um weitere fünf Jahre zu verlängern. Deutschland hatte sich bisher immer der Stimme wegen Unstimmigkeiten zwischen Bundesumwelt- und Bundeslandwirtschaftsministerium enthalten. Gestern gab der amtierende Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt nun grünes Licht für die weitere Verwendung.

Peter Maske, Präsident des Deutschen Imkerbundes e.V. (D.I.B.) äußerte sich entsetzt. "Die jetzige Entscheidung ist für uns in keiner Weise nachvollziehbar. Sowohl wir auf Bundesebene als auch alle unsere 19 Mitgliedsverbände auf Länderebene haben uns strikt und immer wieder gegen den Einsatz dieses Mittels positioniert, denn der Einsatz des Herbizides ist in mehrerlei Hinsicht für die Imkerei nicht tolerierbar."

So werde sowohl in der Landwirtschaft, aber auch im privaten Bereich, Begleitgrün vernichtet, das eine wichtige Lebensgrundlage und Nahrung nicht nur für Honigbienen, sondern für alle Blüten bestäubenden Insekten sei. Außerdem beeinträchtige der Cocktail an Pflanzenschutzmitteln in Blütenpollen die Gesundheit und Vitalität der Bienenvölker beeinträchtigt.

Genau entgegengesetzt die Reaktion der Agrarindustrie. Der Wirtschaftsverband Agrar e. V. zeigte sich über die auf nur fünf Jahre begrenzte Laufzeit enttäuscht. "Nach den Regeln der EU-Zulassungsverordnung 1107/2009 wäre eine Genehmigung von 15 Jahren angebracht gewesen", so IVA-Hauptgeschäftsführer Dr. Dietrich Pradt.

Glyphosat sei der weltweit am meisten verbreitete Herbizid-Wirkstoff. Er zeichne sich unter anderem durch rasche Abbaubarkeit und eine vergleichsweise geringe Toxizität aus. Glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel spielten eine wichtige Rolle in der konservierenden Bodenbearbeitung, bei der auf das Pflügen verzichtet werden könne. Das helfe, fossile Brennstoffe einzusparen und Böden vor Erosion zu schützen.

Der Wirtschaftsverband Agrar e. V. zitiert einen Bewertungsbericht, den die zuständigen deutschen Behörden im Auftrag der Europäischen Kommission erstellt hatten. Darin sei vor vier Jahren die Genehmigungsfähigkeit von Glyphosat festgestellt worden. Zuletzt hatte die europäische Chemikalienagentur ECHA auf Veranlassung der Kommission die Substanz bewertet und im Frühsommer 2017 nochmals bestätigt, dass Glyphosat nicht krebserregend ist.

"Selten ist eine Substanz gründlicher untersucht und dann als unbedenklich eingestuft worden. Leider konnten sich die nüchternen wissenschaftlichen Fakten in der öffentlichen Diskussion gegen die schrillen Töne einer grotesk überzeichnenden Kampagne nicht durchsetzen. Dass die Genehmigung nun auf fünf Jahre begrenzt wurde - ohne nachvollziehbare Begründung! -, hinterlässt einen schalen Beigeschmack", so IVA-Hauptgeschäftsführer Pradt.

(Zuletzt geändert: Dienstag, 28.11.17 - 10:59 Uhr   -   430 mal angesehen)
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