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Blockade:

Seenotretter sitzen mit Flüchtlingen auf Mittelmeer fest - Lage an Bord zunehmend Kritisch

Wegen der weiter andauernden Blockade zweier Rettungsschiffe mit schiffbrüchigen Flüchtlingen verschlechtern sich die Zustände an Bord zunehmend. Ein Versorgungstransport ist noch nicht eingetroffen. Die Schiffe der Organisationen Sea-Eye und Sea-Watch hängen auf dem Mittelmeer bei Malta fest und dürfen nicht anlegen. Sea-Eye spricht von "europäischer Geiselhaft", weil sich die Länder uneins über die Verteilung der geretteten Flüchtlinge sind.
Rettungsschiff von Sea-Eye

Die Blockade der "Professor Albrecht Penck" der deutschen Organisation Sea-Eye dauert nun bereits seit über einer Woche an. Auf dem anderen Schiff, der "Sea-Watch 3", wartet man mit 32 Schiffbrüchigen bereits seit dem 22. Dezember. Noch nie sei ein Schiff einer Hilfsorganisation nach einer Rettung so lange blockiert worden, so die Kritik. Die Bundesregierung besteht auf eine europäische Lösung. Die EU-Kommission wurde eingeschaltet und vermittelt. Am Sonntag forderte der Papst die europäischen Regierungen auf entschlossen zu handeln und zu helfen.

Die Blockade zieht Konsequenzen nach sich: So musste sich Sea-Eye am Montagabend dazu entscheiden, die Folgemission abzusagen. Ihre "Professor" wird dadurch mindestens drei Wochen im Einsatzgebiet fehlen.

Sea-Eye hat mit dem Schiff 17 Menschen, darunter eine Frau und 2 Kinder, am 29.12.18 in internationalen Gewässern vor Libyen gerettet. Die Bundesregierung attestierte Sea-Eye und der Crew des Schiffes am 02.01. "rechtlich konformes Handeln".

Inzwischen werden die Trink- und Brauchwasservorräte des Schiffes streng rationiert. Die 17 Geretteten schlafen auf der Krankenstation, in einem Container an Deck und sie teilen sich nur eine Toilette. Matratzen und Wechselkleidung gibt es nicht, denn das Schiff ist für längere Personentransporte ungeeignet.

Der Rationierung der Trink- und Brauchwasservorräte folgte am Montagabend der Antrag um Erlaubnis, einen Versorgungsgütertransport zur "Professor" durchführen zu dürfen. Für Dienstag sollen Lebensmittel und Trinkwasservorräte zum Schiff transportiert werden. Die Erlaubnis der maltesischen Hafenbehörde steht bisher aus. In jedem Fall aber wurde der Landcrew bereits untersagt ein italienisches Fernsehteam auf diesem Versorgungsgütertransport mitzunehmen. Der Transport müsse gelingen, so Sea-Eye, denn schon am Mittwoch solle sich das Wetter erneut dramatisch verschlechtern. Besatzung und Gäste beschreiben schwere Erschöpfungszustände.

"Was die Verpflegung angeht, können wir noch auf Grundnahrungsmittel zurückgreifen. Wir haben keine Vitamine mehr, aber genügend Kohlehydrate, zum Beispiel Kartoffeln, Reis oder Couscous. Damit kommen wir noch ein paar Tage zurecht. Wir kochen für alle 18 Besatzungsmitglieder und die 17 Geretteten, und wir teilen alles." sagte Einsatzleiter Jan Ribbeck am Abend in einem Interview zu Zeit Online.

"Wir fordern eine schnelle Lösung im Sinne der betroffenen Menschen", erklärt Sea-Eye-Sprecher Gorden Isler. "Die Politikerinnen und Politiker haben viel Zeit sich anschließend über europäische Solidarität und Verteilungsmechanismen zu unterhalten. Im Moment scheint man unsere Schiffe als Druckmittel zu missbrauchen. Man muss sich in Berlin und Brüssel klarmachen, dass es hier um Menschenleben geht und nicht um einen leblosen Verhandlungsgegenstand."

Für die 18 Besatzungsmitglieder seien die Grenzen der Belastbarkeit längst überschritten. So fürchten einige von ihnen ernsthafte Konsequenzen aufgrund ihrer verspätete Heimreise. Zwei Ärzte werden ihren Dienst in Deutschland nicht antreten können. Ein Student kann seine Masterarbeit nicht einreichen. Die Familien müssen ihren Alltag länger als geplant ohne ihre Angehörigen weiter bestreiten. Zuversichtlich stimmt die Besatzung die jüngste, direkte Unterstützung durch Papst Franziskus, der sich am Sonntag an die Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten wandte: "Ich appelliere eindringlich an die die europäischen Führungspersönlichkeiten, dass sie diesen Menschen gegenüber konkrete Solidarität zeigen mögen."

Trotz dieser aussergewöhnlichen, körperlichen und psychischen Belastung sei die Crew zu einem starken Team zusammengewachsen. Einige Crewmitglieder denken demnach bereits über ihren nächsten Einsatz für Sea-Eye nach. "Doch derweil den beiden Schiffen die Hafeneinfahrt verwehrt wird, fehlen die Schiffe im sogenannten Einsatzgebiet", so Sea-Eye. Dort befinde sich nun kein Schiff einer Hilfsorganisation. Das sie dort gebraucht würden zeigten die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr.

Die Organisation Sea-Eye geht davon aus, dass ihre "Professor Albrecht Penck" in den kommenden Wochen in der Such- und Rettungszone vor Libyen fehlen wird. Die aktuelle Blockade mache die Planung der Folgemission unmöglich. Die ehrenamtliche Crew wird indes gebeten dennoch anzureisen, um das Schiff für einen weiteren Einsatz vorzubereiten.

(Zuletzt geändert: Dienstag, 08.01.19 - 07:52 Uhr   -   1663 mal angesehen)
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