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Literatur im Gespräch: Marco Vigevani über seinen Vater, den Autor und Verleger Alberto Vigevani

Am 23. Februar 2019 jährt sich der Todestag des italienischen Autors, Verlegers und Buchhändlers Alberto Vigevani (1918-1999) zum zwanzigsten Mal. Im Gespräch erinnert sich sein Sohn Marco Vigevani an das Aufwachsen zwischen Bücherstapeln, gemeinsame literarische Vorlieben und daran, wie die Flucht vor den Faschisten im Leben des Vaters nachhallte.
Literatur

Marco Vigevani, Ihr Vater Alberto hat sein Leben den Büchern gewidmet. »Die Bücher sind wohl mein Schicksal«, sagte er. Wie wächst man auf als Kind eines Bibliomanen?

Wie wächst man als Kind eines Försters auf? Von Bäumen umgeben! So war es auch bei uns zu Hause: Eine ganze Etage unserer Wohnung war der Bibliothek gewidmet. Wenn ich den Vater in seinem Büro in der Stadt aufsuchte, befand ich mich in einer antiquarischen Buchhandlung umgeben von mysteriösen, ledergebundenen Werken. Oder, falls er im Verlag war, von Stapeln frischgedruckter Exemplare einer Neuausgabe, fertig für die Spedition. Nach seiner täglichen Siesta schloss sich mein Vater in seinem Studio ein, von dort sickerte stundenlang das Klack-Klack der Triumph-Schreibmaschine bis in mein Schlafzimmer. Wenn er fertig mit dem Schreiben war, gab er mir öfter die wenigen Seiten zu lesen, die er gerade zum x-ten Mal korrigiert und poliert hatte. Ein- oder zweimal im Monat kamen Gäste zum Abendessen, darunter auch befreundete Schriftsteller und Dichter. Als Jugendlicher half ich beim Servieren, durfte von meinen Studien erzählen und an der allgemeinen Konversation teilnehmen.
Lesen, schöne moderne oder antike Bücher durchzublättern und zu bewundern, über das Gelesene zu diskutieren, gehörte bei uns zum Alltag. Trotz alledem hat mein Vater mich nie zu einer literarischen, verlegerischen oder buchhändlerischen Karriere angeregt, es war wahrscheinlich einfach die Umgebung, der »Wald«, der auf mich wirkte.

Die erste Buchhandlung Ihres Vaters, La Lampada, war während der faschistischen Diktatur eine Anlaufstelle für Oppositionelle, 1943 floh er ins Schweizer Exil. Wie haben diese Erfahrungen das literarische Werk Ihres Vaters beeinflusst?

Das ist schwer zu beurteilen. Sicherlich waren die rassistische Verfolgung, das Ausharren in Mailand unter dem Bombenhagel, die Flucht in die Schweiz mit seiner jungen Ehefrau und dem sechsmonatigen Kind prägende Erfahrungen seines Lebens. Die Sorgen um das Brot - im weitesten Sinne des Wortes - und überhaupt um die Familie waren für ihn immer präsent. Es gab eine existentielle Angst, dass all das schwer Errungene – im privaten aber auch im öffentlichen Leben – wieder verlorengehen könnte.

Vielen der Helden Ihres Vaters begegnen wir in ihrer Reifezeit. Auch der Erzähler Giacomo in »Sommer am See« steht an der Schwelle von der Kindheit zum Erwachsenenalter. Welche Rolle spielten diese Jahre für Ihren Vater?
Mein Vater hat seine Mutter wenige Monate nach seiner Geburt an die spanische Grippe verloren, und sein innig geliebter Vater starb, als er kaum 18 Jahre alt war. Die frühen Lebensjahre und die Reifezeit waren der Kern und der Keim sowohl seines Lebens als auch seines literarischen Schaffens. Nicht von ungefähr war Proust sein literarisches Vorbild.

In Ihrer Familie ist der Apfel nicht weit vom Stamm gefallen - Sie sind heute Literaturagent. Welche literarischen Vorlieben haben Sie von Ihrem Vater übernommen?

Viele, sehr viele. Die großen jüdischen, zum Teil amerikanischen Schriftsteller wie Bellow, Malamud, Roth, die beiden Singer aber auch Thomas Mann, Kafka, Joseph Roth, Celan, Canetti und viele andere. Nur für Proust kann ich mich bis heute nicht begeistern, obwohl ich mehrmals versucht habe, die Recherche zu lesen. Mein Vater war auch ein leidenschaftlicher Leser von Geschichtsbüchern: Bloch, Braudel, Shirer, Gibbon und andere waren alle in seiner Bibliothek vertreten. Dieses Interesse für die Geschichte habe ich wahrscheinlich von ihm übernommen.

Die Erzählung »Sommer am See« erschien 2007 bei der Friedenauer Presse in der Übersetzung von Marianne Schneider erstmals auf Deutsch. Ab dem 22. Februar 2019 ist die Nachauflage des Buches erhältlich.

128 Seiten | fadengeheftete französische Broschur | 18 €
ISBN 978-3-932109-50-8

»Sommer am See« ist  nach Angaben der Friedenauer Presse das erste Buch des Verlags, das sich im neuen Kleid präsentiert: "Statt Folienverpackungen setzten wir künftig auf umweltfreundliche Papiereinbände", heißt es in der Pressemitteilung.

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Quelle: PM Friedenauer Presse gmbH / KM

(Zuletzt geändert: Freitag, 01.03.19 - 17:22 Uhr   -   406 mal angesehen)
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