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Dringlicher denn je - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier plädiert bei Weltethosrede

Wir tragen Jeans aus Amerika. Wir essen Kiwis aus Neuseeland und nach nicht einmal 5 Stunden Flugzeit können wir im Roten Meer baden... Die Welt wächst zusammen, doch hat sie auch gemeinsame Werte? Und wie könnten oder müssten diese aussehen? - Fragen, mit denen sich die Tübinger Stiftung Weltethos beschäftigt. Einmal im Jahr lädt sie - zusammen mit der Universität - einen prominenten Gast ein, seine Gedanken zum Thema in einer öffentlichen Veranstaltung zu formulieren. Dieses Jahr war es kein geringerer als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der die mittlerweile 14. Weltethosrede hielt.

Kein Weltfrieden, ohne Regligionsfrieden! - gleich zu Beginn seiner Rede stellte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier klar, wie sehr er diese Überzeugung des "Vaters der Weltethos-Idee", Hans Küng, teilt.

Im alltäglichen Leben vieler Gesellschaften sei Religion unterschätzt, so auch bei uns im Land. Durchaus sei sie aber ein mächtiger Faktor. Für die praktische Weltpolitik würden Religionen, so Steinmeier, eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen.

Umso wichtiger sei es, dass jeder sich seiner Weltverantwortung bewusst werde. Was uns durch die zahlreichen analogen und digitalen Tore und Straßen bis im kleinsten Dorf erreiche, gehe uns auch etwas an.

Globale Verbindungen würden immer noch zunehmen, technische, ökonomische, ökologische, aber auch solche ideeller und kultureller Natur.

Darum, so Steinmeier, seien gemeinsame Werte, also ein Weltethos, heute dringender denn je. Man dürfe jedoch nicht übersehen, dass die Arbeit an den internationalen Beziehungen Hand in Hand gehen müsse mit der Arbeit am "inneren Frieden", innerhalb der eigenen Gesellschaft. Wobei sich gerade dieser Gedanke in Tübingen – im friedlichen Disput der Gelehrten – vorbildlich widerspiegle.

Steinmeier zitiert hier Ernst Blochs Satz "Denken heißt überschreiten". Er meine das Überschreiten der eigenen, beschränkten Welt, um sich von anderen eine andere Perspektive zeigen zu lassen.

Und dann zitierte der Bundespräsident eine Passage aus einer Rede von Hans Küng, die dieser im Jahre 1977, anlässlich der 500-Jahrfeier der Universität gehalten hatte.

"Religion die sich nicht der Vernunft stellt, kann blind gegenüber der Wirklichkeit und kann zu unbeirrbarer Rechthaberei vorgeführt werden. Mit furchtbaren Konsequenzen, eine der vielleicht katastrophalsten Bedrohungen des gemeinsamen Ethos. Auch das sehen wir in unseren Tagen wieder in aller Deutlichkeit leider in vielen Teilen der Welt."

Auch in der folgenden Podiumsdiskussion bekräftigte Frank-Walter Steinmeier noch einmal seine Position: Die Idee vom Weltethos, von gemeinsamen Werten und Grundlagen, ist keineswegs veraltet, sondern – ganz im Gegenteil – dringlicher denn je.

(Zuletzt geändert: Mittwoch, 16.10.19 - 16:29 Uhr   -   552 mal angesehen)
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