Schuhhaus Walter | Bildquelle: RTF.1

Bad Urach:

Ware im Überschuss - Einzelhändler wünschen sich Öffnungs-Perspektiven

Stand: 27.01.21 15:18 Uhr

Wie soll es weitergehen? Seit zwei Monaten versucht Johannes Walter einen Plan für seine sieben Schuhhäuser zu entwickeln, um die laufenden Kosten irgendwie zu decken. Ein Ende des Lockdowns oder mögliche Öffnungsperspektiven für den Einzelhandel stehen nach wie vor nicht fest. Er und viele Kollegen fühlen sich von der Regierung übergangen, denn nicht überall macht eine pauschale Schließung Sinn. Wir haben mit Johannes Walter über die aktuelle Situation gesprochen.


Ein so schneereicher Winter wie dieser ist selten und würde unter normalen Umständen dafür sorgen, dass Johannes Walter viele Winterschuhe verkaufen könnte. Doch der aktuelle Lockdown macht ihm einen Strich durch die Rechnung.

Hier im Schuhhaus Walter in Bad Urach stapeln sich die Schuhe auf 800m² Verkaufsfläche und warten sehnsüchtig auf Kunden. Der Inhaber von insgesamt sieben Schuhhäusern hat nur wenig Verständnis dafür, dass sich auf solch einer Fläche nicht wenigstens ein paar Kunden befinden dürfen, wohin gegen sich in Supermärkten zu Stoßzeiten etliche Menschen tummeln.

„Grundsätzlich sollte es ja so sein, dass die Politik vernünftige Entscheidungen trifft und die in der jetzigen Situation auch individuell entscheiden. Wir haben die Situation, dass in den Lebensmittelgeschäften viele Artikel verkauft werden, auch Schuhe, die wir nicht verkaufen dürfen. Und es dürfte kein Problem sein, wenn wir auf 50m² einen Kunden zulassen würden, dann könnten wir so 20 Kunden reinlassen in den Laden", erklärt Walter.

Für diese Kunden könnte dann auch ein Termin vereinbart werden, so Walter weiter. Auch für kleinere Geschäften wäre das eine Möglichkeit, denn wenige Kunden sind immer noch besser als keine. Wichtig sei auch, dass Kinderschuhe verkauft werden könnten, denn wenn jetzt die Schulen wieder öffnen würden, dann brauchen die Kinder passende Schuhe. Ohne passendes Schuhwerk könne das die Füße irgendwann schädigen, erklärt Walter. Wenn sie nicht verkaufen dürften, dann würden die Schuhe im Internet bestellt werden oder bei einer späteren Öffnung würden alle Kunden gleichzeitig kommen, dann gebe es viel mehr Chaos, so Walter.

Im Gegensatz zu anderen Artikeln, die auch online gut erworben werden können, sollte ein Schuh gut passen – und dafür sollten er anprobiert werden.

Aus diesem Grund hatte Johannes Walter bisher auch keinen Internetshop eingerichtet. Das versucht er nun nachzuholen – doch auf die Schnelle funktioniere das eben auch nicht, erklärt er resigniert. Die Nachfrage sei entsprechend gering.

Die Kasse ist leer – laufende Miet- und Personalkosten bestehen aber weiterhin. Doch es gibt ja noch die finanzielle Unterstützung vom Staat – oder?

„Die Vorgaben sind, dass man 30 Prozent Umsatz-Minus haben muss. Wir hatten im März/April deutlich mehr Umsatz-Minus, aber sie haben dann die Monate April/Mai zusammen gefasst, da hatten wir es nicht. Wir hatten im Dezember 28,5% Umsatz-Minus, wir bekommen deshalb auch nichts. Wir haben eigentlich versucht noch gut zu wirtschaften, ja gut zu arbeiten, und haben jetzt den Nachteil, dass wir nichts bekommen", erläutert Walter die Situation.

Und noch weitere Probleme stehen an: die Frühjahrsmode wurde schon vor Monaten bestellt und trifft langsam ein. Doch wo soll die eigentlich hin? Noch stehen hier viel zu viele Winterschuhe.

„Also aktuell haben wir natürlich ein riesiges Problem mit der Fläche. Hier in Bad Urach haben wir genügend Platz, wir haben einen Kellerraum. Aber zum Beispiel in unserer Filiale in Pfullingen wird die Problematik extrem werden. Wir müssen Lagerräume schaffen oder anmieten. Ich weiß im Moment noch nicht, wo wir die Waren hintun, weil ja auch noch nicht klar ist, bis wann wir wieder öffnen können", so Walter.

Einen Teil der Winterschuhe – der Teil, der nicht von der aktuellen Mode abhängig ist – kann Walter, sofern er einen geeigneten Lagerraum hat, in die nächste Saison mitnehmen. Das bedeutet im Nachgang wiederum hohe finanzielle Einbußen bei den Lieferanten in ganz Europa.

Bisher hat Walter nur wenige Schuhe über seine Website verkaufen können, er hofft deshalb stark auf eine rasche individuelle Lösung der Regierung. Denn auch eine stufenweise Öffnung würde ihm und vielen Kollegen helfen.




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