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Balingen-Frommern:

SchwabenKultur, Online-Archiv und Corona

Im Haus der Volkskunst in Balingen-Frommern befinden sich neben einer umfangreichen Sammlung an Materialien zur schwäbischen Kultur auch etliche Gästezimmer, die momentan coronabedingt leer stehen. Normalerweise übernachten im Haus der Volkskunst bis zu 5000 Gäste pro Jahr - ungewohnt leer, konnten wir uns nun einmal genauer umschauen und haben mit Manfred Stingel vom Schwäbischen Kulturverein und Vorstand der Volkstanzgruppe Frommern auch über das aufwendige digitale Kulturarchiv gesprochen.

Das schöne alte Fachwerkhaus in der Ebinger Straße 56 in Balingen-Frommern war, genau wie das Nachbarhaus, einst ein landwirtschaftliches Gebäude, das eigentlich abgerissen werden sollte. Manfred Stingel hat beide Häuser vor rund 40 Jahre zusammen mit Mitgliedern des Schwäbischen Albvereins vor dem Abriss bewahrt und das Haus der Volkskunst geschaffen. Mit über 20.000 Stunden Eigenleistung hätten sie das Gebäude saniert und einem neuen Zweck zugeführt. Nun gebe es hier normalerweise 5000 Übernachtungen. Dort gibt es auch einen Musiksaal, einen Tanzsaal, ein Hirtenhorn-Museum, ein Möbel-Museum, eine Trachten-Nähstube, eine Weberei und viele kleinere weitere Details.

Viele viele kleine Details ist das Stichwort – denn wo man auch hinsieht, es wimmelt nur so an schwäbischem Kulturgut. Im Haus selbst werden deshalb auch immer wieder verschiedene Seminare zur schwäbischen Kultur und Workshops angeboten: vom Strohflechten über Weben und Tanzen bis hin zum Kochen schwäbischer Spezialitäten wie Maultaschen und Kartoffelsalat.

Und außerhalb der Corona-Pandemie gibt es in beiden Häusern vor allem eines: Leben.

Denn neben dem eigentlichen Kulturgut stehen auch 90 Betten für Gäste aus aller Welt zur Verfügung. Und die kommen tatsächlich aus aller Welt. Und so habe er auch die Kammern dementsprechend benannt: Japan, Usbekistan, Portugal, beispielsweise. Und im Innern stehen typische Mitbringsel aus diesen Ländern.

Zum Inventar gehört natürlich auch eine umfangreiche Präsenzbibliothek. Im Jahr 1993 hat man begonnen, diese wichtigen Dokumente in eine digitales Archiv umzuwandeln.

Das digitale Kulturarchiv umfasst heute etliche Tänze, Lieder und Tanzbeschreibung sowie beispielsweise auch alle Blätter des Schwäbischen Albvereins – lückenlos von 1889 bis heute.

Stolz ist Manfred Stingel auch auf die Digitalisierung der sogenannten Konferenzaufsätze. "Zu der Jahrhundertwende 1900 haben sich die Lehrer und Schulmeister, die ja im Dorf früher eine ganz wichtige Stelle hatten, getroffen und hatten vereinbart, wir schreiben alles auf was an volkskundlichen Überlieferungen noch da ist", erzählt er. "Und dann haben sie das alles in schöner deutscher Schrift aufgeschrieben und das sind die sogenannten Konferenzaufsätze." Und die wurden dann in Maschinenschrift übersetzt.

Geld vom Staat gebe es dafür nicht, was Stingel kritisiert. In Bayern würde das beispielsweise besser funktionieren. Ohne die Spenden der Mitglieder des Albvereins könnte man das Projekt nicht finanzieren.

Mitarbeiterin Anna Fischer, ist schon seit ihrer Kindheit in der Volkstanzgruppe Balingen-Frommern aktiv. Nach ihrem Studium der empirischen Kulturwissenschaften hat sie im Haus der Volkskunst nun auch Arbeit gefunden. Einen sanften Trend zu mehr Heimatgefühl, kann sie auch bei jüngeren Leuten feststellen. So gebe es viele Schulklassen, die dort Führungen machen würden, und davon begeistert seien, erzählt sie.

Manfred Stingel und sein Team werden die Corona-Pandemie - durch staatliche Hilfen und Spenden überstehen. Ob sie im Sommer ihr 40-jähriges Jubiläum in Form eines Spätzlesfest tatsächlich feiern können, bleibt allerdings abzuwarten.

Mehr Informationen zur SchwabenKultur und dem digitalen Kulturarchiv finden Sie auf der Homepage www.schwaben-kultur.de.

(Zuletzt geändert: Donnerstag, 11.02.21 - 23:01 Uhr   -   1119 mal angesehen)
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