Reutlinger Herbst | Bildquelle: RTF.1

Reutlinger Herbst:

"Mit erhobenen Gläsern" - Traditionelles Weindorf ist eröffnet

Stand: 29.08.22 13:11 Uhr

Der 35. Reutlinger Herbst - das Weindorf um die Marienkirche ist seit gestern Abend eröffnet. Zum ersten Mal übernahm Oberbürgermeister Thomas Keck den offiziellen Eröffnungsakt und der hat selbst eine ganz besondere Verbindung zum Wein. Welche das ist, hat er uns im Interview erzählt.


Reutlinger HerbstReutlinger Herbst

Vor dem Naturkundemuseum eröffnete Organisatorin Regine Vohrer zusammen mit Stadtoberhaupt Thomas Keck den 35. Reutlinger Herbst. Nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause waren alle Beteiligten erleichtert, dieses Stück Normalität wieder in die Stadt zurückzuholen. Selbst wenn es mittlerweile noch mehr Sorgen als Corona gibt, wolle man in der Zeit auf dem Weindorf einfach mal wieder unbeschwert zusammen sein, betonte Thomas Keck in seiner Rede. Ganz traditionell sangen Vohrer und Keck zusammen mit den Wirten des Weindorfes dann noch das althergebrachte Weindorflied.

Kecks Erbe: handgemachtes Wengerter-Häberle und hölzerner Weintrichter

Oberbürgermeister Keck stammt selbst aus einer Weingärtner-Dynastie aus Reutlingen. Erstmals erwähnt im Jahr 1449, erzählt er uns.

„Und es zog sich durch bis 1870. Mein Urururgroßvater hat da aus Altersgründen den Betrieb aufgegeben und dann war Schluss. [...] Ich habe außer einem alten hangemachten Winzermesser, Wengerter-Häberle sagt man in Reutlingen und einem hölzernen Weintrichter, nichts geerbt vom Urururgroßvater. Eines habe ich geerbt: den Weinzahn. Einen guten Wein verschmähe ich nie", erzählt Keck und lacht. Besonders schätze er einen trockenen Lemberger, erklärt er weiter.

Auch viele leichte Weine im Programm

Ob Organisatorin Regine Vohrer das wusste? Im Glas zur Eröffnung befand sich nämlich ein guter und üppiger Lemberger der Privatkellerei Storz. Für heiße Tage wie an diesem Eröffnungstag empfiehlt die Weindorf-Organisatorin aber eher die helleren Sorten – wie frische Rosés, leichten Weißweinen oder Seccos. Wenn es so heiß ist sollte man aber auch immer Wasser dazu trinkt, rät Vohrer.

Heimischer Weinbau im Wandel

Zu Besuch kam auch Gert Aldinger – einer der zehn besten Winzer Deutschlands. Er hatte Keck vor vier Wochen beim Deutschen Wandertag in Fellbach kennengerlent. Er erklärt, dass sich im heimischen Weinanbau zur Zeit einiges verändert.

„In puncto Klimaverschiebung ist es einfach so, dass Rebsorten reif werden, die vor 50 Jahren hier völlig undenkbar gewesen wären, weil die Erwärmung einfach da ist. Das Problem wird weiterhin immer das Wasser sein. Ich glaube schon, dass die hohen Lagen in Reutlingen und Metzingen, die nicht mehr mit Wein bepflanzt sind, evtl. gute Weinlagen werden in der Zukunft, wenn es wärmer wird. Aber es muss natürlich Wasser da sein und die richtige Hand, die diese Reben eben bewirtschaftet letzendlich", so Aldinger.

Sieben Wirte sorgen für Gaumenfreuden

Bis zu 100 verschiedene Weinsorten bietet das Weindorf in seinen verschiedenen Lauben an – dazu natürlich allerlei kulinarische Köstlichkeiten.

Vertreten sind der Forellenhofs Rössle, das Staussee Hotel und der Schwanen Metzingen, die sich eine Laube teilen, die Grauergastro mit dem Joli, die Sommerlaube des Café Sommer, die Weinagentur Julius Vohrer und zum ersten Mal mit dabei die Gutsgaststätte Alteburg, die auch Wild-Spezialitäten anbietet. Um den Genuss abzurunden und die Stimmung anzufeuern, gibt es in den Lauben zusätzlich abwechslungsreiche Live-Musik.

Bis zum 10. September haben die Besucherinnen und Besucher des Weindorfes jetzt die Gelegenheit, die Seele auf dem Reutlinger Herbst baumeln zu lassen – und natürlich auch, um einen oder mehr der vielfältigen Rebensäfte zu verkosten.

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