Kulturnacht | Bildquelle: RTF.1

Region Neckar-Alb:

Offener Brief: "Es ist höchste Zeit" - Die Kultur-Fördervereine der Region melden sich zu Wort

Stand: 20.02.21 10:25 Uhr

"Dass sich die Kultur-Förder- und Trägervereine in der gesamten Region Neckar-Alb zu einer gemeinsamen Aktion zusammenschließen, gab es noch nie", schreibt uns die Initiative der Kultur-Fördervereine der Region: Der Anlass sei auch ernst genug: " Ausufernde Diskussionen über die Frage, wer jetzt eigentlich unter welchen Umständen und wann wieder öffnen darf, würden zwar stattfinden, aber nicht die Kultureinrichtungen und die kulturschaffenden Einzelkämpfer in den Blick. Aus diesem Anlass hat die Initiative den Bundestags- und Landtagsabgeordneten aller Wahlkreise in der Region und ausgewählten Kandidaten für den Landtag den nachfolgenden, offenen Brief geschrieben:

Offener Brief der Kultur-Fördervereine der Region:

Es ist höchste Zeit:
Die Kultur-Fördervereine der Region melden sich zu Wort

Sehr geehrte Abgeordnete,

heute schreiben wir Ihnen mit einem besonderen Anliegen:
Wie geht es weiter mit unseren Theatern und in den Orchestern, in den soziokulturellen Zentren und mit all den vielen anderen kleinen und größeren Orten, an denen bisher große Kunst gedieh? Wir, das sind neun Vorsitzende und Gremien der Fördervereine und Trägervereine der Kultureinrichtungen in der Region Neckar-Alb.
„Es ist allerhöchste Zeit, dass wir uns untereinander vernetzen und uns zu Wort melden", so Jochen Gewecke von den LTT-Freunden!, von dem die Initiative zu diesem Schreiben ausging.

In einer Zeit, in der die Inzidenzzahlen stark rückläufig sind, sprießen die Forderungen nach Öffnung natürlich überall.
Der sogenannte „Lockdown light" im vergangenen November brachte seinerzeit keine messbare Entspannung bei den Infektionszahlen. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die Hygienemaßnahmen der Kultureinrichtungen waren so gut und wirkungsvoll, dass ihre Schließung null Einfluss auf das Infektionsgeschehen haben konnte! Statt dessen traf er die Kulturschaffenden bis ins Mark.

Wenn jetzt also darüber nachgedacht wird, in welcher Reihenfolge wer wieder öffnen darf und wann, weisen wir auf zwei Punkte besonders hin:
Erstens: Wer ging zuerst in den Lockdown und hat damit ohne zu murren und am längsten Solidarität mit der Gesellschaft bewiesen?
Zweitens: Wo sind Öffnungen möglich, ohne dass neue Gefahren für das Infektionsgeschehen entstehen?
Viele Studien, aktuell eine wissenschaftliche Vergleichsstudie zum Infektionsrisiko über Aerosole in Räumen, kommen zu dem Ergebnis, dass Theater, Opern, Orchester und Museen die relativ sichersten Orte im Land sind: Bei einer 30-Prozent-Belegung, mit den entsprechenden technischen Anlagen sowie Mundnasenschutz liegen sie weit vor dem ÖPNV, Supermärkten, Schulen oder Büros.

Die Menschen haben Hunger. Sie sind ausgetrocknet. Ihnen fehlt Nahrung für die Seele. Denn Kunst ist Lebensmittel.

Deshalb appellieren wir an Sie: Setzen Sie sich dafür ein, dass einer der größten – und zugleich fragilsten – Wirtschaftszweige in Deutschland, nämlich die Kultur, wieder zum Leben erweckt werden kann.
Setzen Sie sich dafür ein, dass die Kunstschaffenden und die Kulturinstitutionen in schwierigen Zeiten ihre Existenzgrundlage bewahren können.
Helfen Sie mit, dass die Förderung der Kultur auf allen Ebenen weiterhin den hohen Stellenwert genießt, der ihr zukommt: im Bund, im Land, aber auch in den Kreisen und den Kommunen.

Die Menschen brauchen eine Perspektive. Geben Sie ihnen eine – jetzt!

Auf Ihre Antwort freuen wir uns sehr!

Es grüßen Sie herzlich

Heidemarie Arnold, Freundeskreis der Württembergischen Philharmonie Reutlingen e.V.
Der Aufsichtsrat des Kulturvereins franz.K e.V.
Werner Fröhlich, Förderverein Theater Lindenhof e.V.
Jochen Gewecke, LTT-Freunde! e.V.
Thomas Lambeck, Theaterverein Reutlinger Theater in der Tonne e.V.
Dittmar Lumpp, Trägerverein Theater am Torbogen e.V.
Reinhold Mayer, Förderverein Theater am Torbogen e.V.
Jörg Robert, Freundeskreis des Zimmertheaters/Institut für theatrale Zukunftsforschung (ITZ) e.V.
Adalbert Sedlmeier, Sudhaus e.V.

Erstveröffentlichung: 20.02.2021-10:21




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