Unwetter in der Region | Bildquelle: RTF.1

Region Neckar-Alb:

Die Feuerwehr zieht Unwetter-Bilanz

Stand: 29.06.21 16:05 Uhr

Nach dem vergangenen Mittwoch kam es am Montagabend erneut in der Region Neckar-Alb und anderen Teilen Baden-Württembergs zu heftigen Unwettern mit Starkregen und Hagel. Die Reutlinger Feuerwehr wurde zu fast 800 Einsätzen gerufen, 565 allein in der Stadt Reutlingen. Die traurige Nachricht: Überstanden scheint die Wetterlage trotzdem nicht, denn auch für Dienstag wurde bereits eine neue Unwetterwarnung herausgegeben.


Reutlingen gehörte auch an diesem Abend zu den Gebieten, die das Unwetter mit seiner vollen Wucht traf. Der Reutlinger Feuerwehrkommandant Harald Herrmann beschreibt das Unwetter als ein sehr starkes Regenereignis – im Schnitt kamen 55 bis 76 Liter Wasser pro Quadratmeter herunter. Dazu gab es ebenfalls wieder gebietsweise zu Hagel.

Kein Wunder, dass die Kanalisation und die umliegenden Gewässer nicht mehr in der Lage waren, diese Wassermengen noch aufzunehmen. Der Pegel der Echaz sei innerhalb von wenigen Minuten über 1,50m angestiegen, erklärt Herrmann. Auch andere Flüsse seien massiv angeschwollen.

Welche Ausmaße der Starkregen hatte, ist auf diversen Videos zu sehen – beispielsweise war der Ortskern in Betzingen mal wieder komplett geflutet. Aber auch Mittelstadt erwischte es heftig – wie schon letzte Woche. Besonders schlimm traf es auch sechs Autofahrer, die plötzlich im Tunnel in Dußlingen feststeckten und nicht mehr herauskamen. Der Tunnel war mit Wasser vollgelaufenen, mehrere Fahrzeuge waren noch drin. Die örtliche Feuerwehr war mit einem Löschfahrzeug in den Tunnel eingefahren und konnte die Menschen auf dem Fahrzeugdach zunächst in Sicherheit bringen. Tauchergruppen haben die Menschen dann in Sicherheit gebraucht, teilweise mit Booten, erklärt der Feuerwehrkommandant. Anschließend wurde der Tunnel abgesucht, ob sich noch weitere Menschen darin befinden, was nicht der Fall war.

Zwei weitere Personen mussten ebenfalls von Tauchern aus ihren gefluteten Kellern befreit werden. Zum Glück gelang das und es gibt keine Verletzten zu beklagen. Geflutete Straßen und Wassereintritte in Häuser und Keller, kein seltenes Bild auch bei unseren eingesendeten Zuschauervideos.

Knapp 1000 Einsatzkräfte waren im Einsatz, viele Helfer kamen auch aus umliegenden Landkreisen. Während bereits in der Nacht damit begonnen wurde, die Straßen von Schlamm zu befreien, gingen auch am Tage die Aufräumarbeiten fast überall weiter. Die Stadt stellt für die Entsorgung Container zur Verfügung und die werden auch genutzt. Fast im Minutentakt fahren beispielsweise die Betzinger vor, um ihren, vom Unwetter zerstörten Hausrat, zu entsorgen. Menschen vor Ort berichteten über ihre vollgelaufenen Keller und wie sie es knapp geschafft haben, den Stromverteiler vor dem Ertrinken zu bewahren und somit einem Stromausfall entkamen. Das Klärwerk in Betzingen hatte da nicht so viel Glück. Torsten Müller, SER-Fachgebietsleiter Gewässer und Hochwasserschutz der Stadt Reutlingen, berichtete, dass es im Betzinger Klärwerk zu einem Wassereintritt kam und die Elektrik zerstörte.

Allem in allem sei man auf dieses Unwetter aber gut vorbereitet und alle Kapazitäten der Feuerwehren und Rettungen in Alarmbereitschaft gewesen. Leider können diese jetzt aber nicht in den wohlverdienten Feierabend – denn für Dienstag gibt es erneut eine Unwetterwarnung. Die Einsatzkräfte müssen also erneut in Alarmbereitschaft gebracht werden.

Um zumindest einigermaßen vorbereitet zu sein, setzt der Feuerwehrkommandant auch auf die Eigeninitiative der Bürgerschaft.

„Die Stadt schafft das gerade nicht, innerhalb weniger Stunden, das ganze Stadtgebiet wieder zu säubern. Also da sollte der Bürger selber Hand anlegen oder wenn vor der Haustür der Sickerkasten total zu ist, mit Laub oder irgendwelchen Materialien, dass man da einfach Dinge selber entfernt, dies dient einem natürlich auch selber", so Herrmann.

Bleibt zu hoffen, dass es dieses Mal nicht ganz so heftig wird und sich die Lage wieder etwas entspannen kann.

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