Die Nachricht traf Tübingen wie ein Paukenschlag: Am 17. September verkündete die Walter AG, sie wolle rund hundert Arbeitsplätze vom Hauptstandort Tübingen nach China verlegen. Betroffen war die Produktion. Man wolle sich in Tübingen auf maßgeschneiderte Sonderwerkzeuge konzentrieren, hieß es.
Jetzt am Mittwoch-Nachmittag trafen sich Vertreter von Betriebsrat, IG Metall und aus der Politik, um über die momentane Situation zu beraten. "Die momentane Situation ist sehr, sehr schwierig", sagte Ralf Jaster von der IG Metall Reutlingen-Tübingen, "weil der Arbeitgeber am 20. Januar die Verhandlungen für gescheitert erklärt hat und nun die Entscheidung über eine sogenannte Einigungsstelle erzwingen möchte."
Was war geschehen? Es hatte Verhandlungen zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat gegeben. Der Betriebsrat hatte ein Alternativkonzept erarbeitet mit dem Ziel, Arbeitsplätze zu erhalten. Doch die Geschäftsführung lehnte das ab. Vorstandsmitglied Anette Skau Fischer, Vizepräsidentin für Human Ressources: "Wir haben das beraten und diskutiert mit unserer Arbeitnehmervertretung, und wir sind zu dem Entschluss gekommen nach sorgfältiger Abwägung und auch umfassenden Diskussionen: es überzeugt uns nicht, und wir haben auch insgesamt unsere strategische Ausrichtung im Visier." Diese strategische Ausrichtung verfolge man auch als Unternehmen, so Anette Skau Fischer.
Der Betriebsrat bedauert das. "Als Betriebsrat der Walter AG sind wir natürlich enttäuscht an der Stelle, dass trotz unseres Standpunktes, dass wir Beweglichkeit während den Verhandlungen gezeigt haben, für uns gefühlt auf Arbeitgeberseite nie ein Entgegenkommen da war", sagte Tobias Arndt. Und Ralf Jaster fügte hinzu: "Was wir immer bedauert haben in den Verhandlungen, war, dass nie jemand vom Vorstand der Walter AG am Verhandlungstisch saß, dass also die Entscheidungsträger, die entscheidungskompetenten Menschen nicht vor Ort waren, so dass in schwierigen Verhandlungssituationen Rücksprache gehalten werden musste."
Die Geschäftsleitung widerspricht. "Wir haben ein Verhandlungsteam, was entsprechend Mandat bekommen hat von uns als Unternehmensleitung und auch entsprechende Befugnisse", so Anette Skau Fischer.
Zudem, so der Betriebsrat, bestand die Geschäftsführung auf einer Namensliste. Das heißt, der Betriebsrat hätte die Namen der zu kündigenden Beschäftigten auf eine Liste setzen sollen. Doch der Betriebsrat weigerte sich. "Das ist für uns als Betriebsrat der Walter AG auch ein rotes Tuch, weil wir sehen es so, dass wir die Arbeitnehmer, die wir vertreten sollen, die Beschäftigten der Walter AG dann verraten würden, wenn wir eine solche Namensliste mit dem Arbeitgeber vereinbaren", sagte Arndt. Die Namensliste sei kein Zwang sondern gemeinsames Vorhaben nach Freiwilligenprogramm und anderen Maßnahmen, betont dagegen Skau Fischer.
Jetzt sollen Martin Rosemann und Boris Palmer zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung vermitteln. Beide Seiten sollen zurück an den Verhandlungstisch. "Es ist erst mal so, dass wir als Politik hier in der Stadt und in der Region natürlich Gedanken darüber machen, dass wir Verantwortung haben, dass Produktionsarbeitsplätze in Tübingen erhalten bleiben", sagte Martin Rosemann. "Dass hier Arbeitsplätze für unterschiedliche Qualifikationensniveaus und für unterschiedliche Branchen erhalten werden und dass wir hier zukunftsfähige Produktionsarbeitsplätze am Standort haben."
Anette Skau Fischer sagte, die Geschäftsleitung könne gerne auch mit den Politikern sprechen, aber die Verhandlungen seien gerade schon am Laufen. "Wir sind eigentlich schon am Verhandlungstisch, deswegen scheint das auch ein Missverständnis zu sein, wir nutzen gemeinsam jetzt die Möglichkeit über die Einigungsstelle, was auch in Deutschland vorgesehen ist, wenn man miteinander innerbetrieblich auch ein Konfliktthema zu lösen hat."
Die Verlagerung der 100 Arbeitsplätze nach China scheint beschlossene Sache. Doch der Firmensitz, betont die Geschäftsleitung, bleibt in Tübingen. Ebenso wie Forschung und Entwicklung sowie rund 50 Produktionsarbeitsplätze.
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