Zahlreiche Erzieherinnen und Erzieher füllten am Dienstag den Marktplatz in Tübingen. Sie alle haben sich dem Warnstreik angeschlossen, der landesweit stattfand. Tübingen bildete an diesem Tag den Auftakt. Es folgten Reutlingen, Mannheim, Karlsruhe und viele mehr. Dass die Streiks am Weltfrauentag stattfanden, hat einen bestimmten Grund: Der internationale Frauentag sei auch ein Frauenkampftag, betont verdi-Landesbezirksleiter Martin Gross. Viele Frauen würden in sozialen Berufen arbeiten - und diese seien schlechter bezahlt als andere Berufe. "Deshalb ist es gerade heute angesagt, die Stimme zu erheben."
Verdi fordert deshalb in den derzeit laufenden Tarifverhandlungen mehr Anerkennung für diese Berufe, und zwar finanzielle. Aber auch bessere Arbeitsbedingungen und Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel sind Bestandteil der Forderungen. 25 Prozent der Beschäftigten hören laut Gross nämlich in den ersten fünf Jahren auf und wandern in andere Branchen ab, zum Beispiel in den Einzelhandel.
Die Auswirkungen spüren dann die Erzieherinnen in den Kitas, die sich dann noch stärker auf zusätzliche Tätigkeiten wie aufräumen und kochen konzentrieren müssen - und nicht auf die Arbeit, die sie eigentlich gelernt hätten, beklagt Meret Schüschke, die ebenfalls Erzieherin ist: "Dadurch kommt das dann, dass wir die Sachen, die eigentlich das Wichtige in unserer Arbeit wären - schöne Projeke, große Erlebnisse, Ausflüge, Weihnachtsfeiern - das muss dann halt ausfallen, damit zumindest alle Kinder noch satt und sauber und sicher aufbewahrt sind. Und das tut weh."
Bisher gab es bereits eine Verhandlungsrunde am 25. Februar. Die sei allerdings enttäuschend gelaufen, so der verdi-Landesbezirksleiter. Die Arbeitgeberseite hätte kein Entgegenkommen gezeigt. Mit Blick auf die geflüchteten Kinder aus der Ukraine, die baden-württembergische Kitas besuchen sollen, stelle sich die Frage, wie das gestemmt werden soll. Um da gut helfen zu können, brauche es dringend die soziale Arbeit - und das wiederum brauche gute Arbeitsbedingungen, so Gross. "Und das muss die Gesellschaft endlich erkennen."
Am 21. und 22. März findet die nächste Verhandlungsrunde statt. Danach erst wieder Mitte Mai. Deshalb sei es in der anstehenden Runde wichtig, dass die Arbeitgeber die Tür zu Lösungen öffnen, so Gross. Dann könne bis zum nächsten Treffen im Mai viel gesprochen und auch Lösungen gefunden werden. Wenn die Tür aber verschlossen bleibe, dann werde die Wut und die Enttäuschung der Beschäftigten groß sein, davon ist Gross fest überzeugt.
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