Der Grund: Das jetzige Gelände in Renningen-Malmsheim braucht die Firma Bosch für eine Betriebserweiterung. Das Land Baden-Württemberg ist auf die Suche nach einem Ersatz gegangen. Aus hundert möglichen Standorten wurde die Staatsdomäne Waldhof zwischen Dautmergen, Dormettingen, Geislingen und Rosenfeld ausgewählt. Das abgelegene Gelände gehört dem Land.
Doch dagegen regt sich Widerstand. Anwohner der umliegenden Gemeinden wie auch direkte Nachbarn haben sich in einer Bürgerinitiative organisiert. Am Dienstag-Abend haben Staatsministerium und Bundeswehr in der Schlossparkhalle in Geislingen über das geplante Projekt informiert.
Full House in der Schlossparkhalle in Geislingen. 600 Menschen waren zur Bürger-Informationsveranstaltung gekommen. Worum es geht, darüber informierte Oberst Andreas Reyer: KSK-Soldaten üben den Fallschirmsprung in voller Montur – nötig, wenn es zum Beispiel um die Befreiung von Geiseln geht. Das Absprunggelände soll nicht asfaltiert und nicht umzäunt werden – einfach eine Rasenfläche ohne Hindernisse, auf der die Fallschirmspringer landen können.
Bei den Bewohnern der umliegenden Gemeinden, vor allem auch bei Tobias Vötsch, dessen Bauernhof in der Nachbarschaft liegt, stößt das Projekt auf Bedenken. "Wir waren da schon ein paar Tage sehr geschockt und versuchten Informationen zu bekommen, was spärlich war, haben Unterstützung gesucht von den Bürgermeistern und vom Landrat, die sich auch unserer angenommen haben, aber leider auch keine Informationen für uns hatten und hatten jetzt eigentlich bis auf letztes gehofft, dass heute alle Zweifel voll ausräumt werden, aber dem war jetzt ja nicht so", berichtet Vötsch.
Denn vieles steht jetzt noch gar nicht fest und muss erst untersucht werden. Zum Beispiel das Kapitel Fluglärm – unter anderem auch durch die US Army, die dort ebenfalls abspringen soll. Hier, so die Erfahrungen der KSK aus Malmsheim, sei es aber bisher nur selten zu Beschwerden gekommen – doch die Gegner sehen das anders. Gerhard Gulde von der Bürgerinitiative Waldhof: "Ich weiß aus eigener Erfahrung beziehungsweise Bekanntschaften, die dort wohnen, dass eben die Lärmbelastung durch die US Army relativ hoch ist. An wenigen Tagen, weil sie einfach kein Fluggerät zur Verfügung haben oder sonstige Probleme, aber wenn die dann springen, sind die richtig, richtig heftig."
Gerechnet wird mit zwanzig Einsätzen im Jahr. An allen anderen Tagen soll das Gelände auch Spaziergängern und anderen möglichen Nutzern offen bleiben. Offen bleibt auch, ob zumindest eine teilweise landwirtschaftliche Nutzung möglich ist. "Der wichtigste Punkt ist natürlich in der heutigen Zeit die Nahrungsmittelproduktion", sagt Tobias Hölle von der Bürgerinitiative Waldhof. Die Ukraine sei die Kornkammer Europas. "Wenn die weg fällt, und die wird mit Sicherheit zu großen Teilen wegfallen, so wie die momentane Lage ist, müssen wir einfach schauen, dass wir regional Nahrungsmittel produzieren können", so Hölle.
50 Hektar beste landwirtschaftliche Fläche, so die Kritik, würde wegfallen. Damit könne man 2.500 Haushalte ernähren. Noch nicht geklärt ist auch, ob Straßen, die über das Gelände führen, an Sprungtagen gesperrt oder ganz verlegt würden. Kritisiert wurde auch die Informationspolitik. Eine Informationsveranstaltung – warum erst jetzt?
Dazu Landrat Günther-Martin Pauli: "Veranstalter oder verantwortlich ist das Staatsministerium, und wir waren im engen Austausch und haben selber nicht verstanden, warum es so lange gedauert hat, aber jetzt hat es stattgefunden, jetzt sollten wir nach vorne schauen, und jetzt sollten wir drauf achten, dass der Dialog vor allem mit den unmittelbar betroffenen Menschen, den Pächtern genauso wie auch den Nachbarn intensiver und konstruktiv fortgesetzt wird."
Der Informationsabend, so hieß es aus dem Staatsministerium, sei erst der Anfang einer Bürgerbeteiligung. Doch eine weitere Versammlung wie diese werde es nicht mehr geben.
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