Hier haben sie ihm buchstäblich ein Denkmal gesetzt. An der Hochschule Reutlingen führt quasi kein Weg an Friedrich List vorbei. Hier gibt es nicht nur eine Dauerausstellung über ihn zu sehen, auch ein Institut ist nach ihm benannt. Dass der Wirtschafts-Pionier gerade in Reutlingen so präsent ist, hat mehrere Gründe.
"Wir sind in Reutlingen – der Geburtsstadt von Friedrich List. Außerdem wurde die List-Gesellschaft, nachdem sie in der Zeit des Nationalsozialismus ausgesetzt hat, hier neu gegründet vor 70 Jahren" erläutert die Leiterin des Friedrich-List-Instituts, Prof. Larissa Zierow.
Doch wie feiert man ein solches Jubiläum? Die ESB Business School hat sich dafür entschieden, über die Themen zu sprechen, die die List-Gesellschaft heute beschäftigen. Und zwar im Rahmen einer Jubiläumstagung, die sich aber von anderen wissenschaftlichen Tagungen abheben sollte.
"Oft sind wissenschaftliche Tagungen ja darauf begrenzt, dass man sich in einem kleinen Fachgebiet unterhält. Hier wollten wir schauen, dass wir ins Gespräch darüber kommen, was man eigentlich mit seiner Forschung macht. Also: Wie kommt die Forschung in die Politik und in die Gesellschaft" erklärt Zierow.
Zwischen Wissenschaftlern und Praktika vermitteln. Das ist auch eines der Ziele der List-Gesellschaft. Und auch die Themen der Tagung orientierten sich im Großen und Ganzen daran. Beratung als Aufgabe und Problem der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften lautete ein Themenblock. Also: Wie können Ökonomen mit Laien kommunizieren?
Als Experte mit dabei war in diesem Bereich unter anderem Justus Haucap von der Uni Düsseldorf: "In der Tat ist es in der Ökonomie häufig so, dass es immer Argumente für und gegen etwas gibt. Es gibt nichts, was nur Vorteile hat und es gibt auch nichts, was nur Nachteile hätte" sagt er.
Ein Argument, was nicht immer leicht vermittelbar sei, da die Menschen – ob in der Politik oder im Privaten – klare und eindeutige Meinungen gerne haben. Thematisch ging es aber auch um die aktuellen Probleme, die sich Wirtschaft und Politik teilweise teilen.
"Wir haben die kriegerischen Auseinandersetzungen und die andere Rolle, die Russland einnimmt. Das ist natürlich ein großes Thema – eher ein ökonomisches als ein außenpolitisches. Dann haben wir die Handelspolitik, die sich unter Donald Trump völlig verändert hat – ein wirtschaftliches Problem. Da müssen wir in Europa stärker reagieren und uns noch unabhängiger machen von den USA" so Haucap.
Nach der Diskussion stellten sich die Gesprächspartner dann den Fragen der Teilnehmer die so die Möglichkeit hatten, aus dem Jubiläum einiges in ihren Forschungsalltag zu übernehmen.
Die Jubiläumstagung endet am Samstag Nachmittag mit einer Stadtführung durch Reutlingen, die die Teilnehmer natürlich auch an die Lebensstationen und Erinnerungsorte an Friedrich List führt.
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