6. Saatgutbörse der Gönninger Tulpenblüte | Bildquelle: RTF.1

Gönningen:

Die 6. Saatgutbörse der Gönninger Tulpenblüte

Stand: 26.01.26 17:04 Uhr

Die Saatgutbörse in Gönningen ging am Samstag in die 6. Runde. Veranstaltet von der Gönninger Tulpenblüte kann der Samenmarkt auf eine 400 Jahre lange Tradition im Reutlinger Stadtteil zurückblicken. Ebenso viel Tradition liegt auch in dem Saatgut selbst, das hier angeboten wurde.


Schon im 17. Jahrhundert wurde in Gönningen mit Samen gehandelt. Über 1.200 Händler hatten hier einst ihren Sitz. Und auch wenn Gönningen heute nicht mehr das fruchtbarste Beet für den Samenhandel ist, lassen sich viele Blüten der Industrie hierher zurückverfolgen.

"Hier ist die Wiege vom Samenhandel für ganz Deutschland oder Europa," erklärt Hartmut Fetzer, der 2. Vorstand der Gönninger Tulpenblüte. "Viele Firmen, die es heute noch gibt, zum Beispiel Mauser in der Schweiz, oder Vatter in Bern, oder die Firma Austrosaat in Wien, die haben alle Gönninger Wurzeln."

Die Gönninger Tulpenblüte ist aus den Händlern entstanden, die vor Ort geblieben sind. Ihre Märkte erinnern an die Ursprünge des Samenhandels. Die Etiketten mögen bunter geworden sein, doch viele der Pflanzensorten sind an sich noch die selben wie vor Hunderten von Jahren.

"Wir haben so etwa 500 Sorten", illustriert Klaus Lang, Samenhändler und -vermehrer aus Wolfegg. "Viele alte, regionale Sorten, die hier im Klima und an den Boden angepasst sind. Und da gibt es eben Sorten wie Haferwurzeln, Zuckerwurzeln, die hier schon vor 400 Jahren gewachsen sind, einfach anzubauen sind. Aber keiner kennts."

In einer Welt von Gentechnik und importiertem Superfood setzt die Saatgutbörse auf das Bewährte und Regionale. Der Fokus liegt auf Pflanzen, die an das lokale Klima angepasst sind und sich mit den Böden vor Ort vertragen. Und auf Samen, die jedes Jahr neu gepflanzt werden können.

"Wir wollen, dass die Leute sich ihre Lieblingssorten selbst erhalten", so Lang. "Dazu brauchen sie samenfestes Saatgut. Das heißt, sie lassen die Pflanzen ausreifen, ernten das Saatgut und können im nächsten Jahr dann wieder ihr eigenes Gemüse, Blumen, Kräuter, weitervermehren."

Das samenfeste Saatgut steht im Kontrast zu den F1-Hybriden, die in den meisten Läden angeboten werden. Als Mischlinge aus mehreren Pflanzenarten produzieren sie keine fruchtbare Saat, weshalb man sie immer wieder neu kaufen muss. Das Saatgut hier ist langfristig gedacht, ein Konzept, der sich durch die meisten Waren auf der Börse zieht.

"Wir haben teilweise auch schon fertige Pflanzen im Topf im Angebot hier", so Fetzer. "Dann haben wir einen Aussteller mit alten historischen geschmiedeten Werkzeugen, die Generationen halten, irgendwas Wertiges, das die Nachhaltigkeit, die man heute braucht, auch noch zeigt."

Wer den Markt am Samstag verpasst hat, bekommt im Frühling die nächste Chance. Am 19. April veranstaltet die Gönninger Tulpenblüte den ersten von zwei Tulpensonntagen, gepaart mit einem Frühlings- und Künstlermarkt. Gerade rechtzeitig zur Frühjahrs-Pflanzsaison.

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