In den vergangenen 140 Jahren haben die Gewerkschaften viel erreicht: neben geregelten Arbeitszeiten auch anständige Löhne, Arbeitsschutz und Mitsprache für Arbeitnehmer. Doch noch sind nicht alle Ziele erreicht, wie das Motto der diesjährigen Kundgebung deutlich macht: "Erst unsere Jobs, dann eure Profite."
"In der Industrie sind in Baden-Württemberg über 70.000 Jobs verloren gegangen, abgebaut worden.Wir finden, es gibt Alternativen", erklärt Kai Burmeister, Vorsitzender des DGB Baden-Württemberg. "Die Leute jetzt nach Hause zu schicken, kann es nicht sein. Ich finde, dass die Beschäftigten zu Verlierern der Krise werden, kann nicht sein. Beschäftigung muss gehalten werden. Wir wollen Entlassungen verhindern. Wir wollen Zukunftsperspektiven für jede und jeden Beschäftigten."
Für Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck ist es eine Selbstverständlichkeit, am Tag der Arbeit jenen seine Wertschätzung auszudrücken, die die Stadtgesellschaft am Laufen halten. Im System und in den Arbeitsmärkten sieht er viel Dynamik. "KI kostet Arbeitsplätze, schafft aber auch neue, andere. Die Gesellschaft verändert sich drastisch, der Arbeitsmarkt verändert sich drastisch, die ganze industrielle Produktion verändert sich, mit Abwanderungsprozessen, mit Veränderungen. Es ist alles schwierig."
Für Keck ganz besonders bitter ist die Tatsache, dass auch die Stadt Reutlingen nicht umhin kommen wird, Stellen abzubauen: Zehn Prozent in den nächsten vier Jahren ist der Plan. "Das macht niemand gerne, ein Sozialdemokrat sowieso nicht. Aber es geht nicht mehr anders, wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Das Land wird uns nicht helfen, der Bund auch nicht." Der Stellenabbau soll aber über Verrentung vonstatten gehen. Niemand wird seinen Arbeitsplatz verlieren, verspricht Keck, dem das Wohl seiner Angestellten sehr am Herzen liegt.
Nachdem sich Grüne und CDU nun auf einen Koalitionsvertrag geeinigt haben, hofft der DGB-Landesvorsitzende auf schnelle Entscheidungen zum Wohl der Wirtschaft. "Ich fordere erstens ein Rettungsschirm für Industriearbeitsplätze. Das heißt: Kein Arbeitsplatz in der Industrie darf verloren gehen, da müssen sich Gewerkschaften, Arbeitgeber aber auch die Landesregierung zusammensetzen." Außerdem möchte er, dass die Jugendarbeitslosigkeit nicht weiter steigt. "Und wir wollen, dass investiert wird in Schulen, in soziale Infrastruktur, in Krankenhäuser. Auch da kann die Landesregierung mehr machen als an der Schuldenbremse festzuhalten. Die müssen investieren!"
Dass die Union auf Bundesebene darüber nachdenkt, den Tag der Arbeit als Feiertag zu streichen, macht die Gewerkschafter wütend. Sie stellen klar: "Wir lassen uns unseren Feiertag nicht nehmen!"
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