Er steht im Mittelpunkt des ersten Teils der Installation: ein mannshoher Zaun aus Draht, Stacheldraht, Pfosten und vor allem zahlreichen Tannenzweigen. Dass es Zäune wie diesen im Vernichtungslager Sobibor gab, das belegt ein Foto, das für die Installation von zentraler Bedeutung ist.
Stephan Rößler, Direktor des Kunstmuseums Reutlingen: "Grundlage der Ausstellung ist eine Fotografie aus dem sogenannten Niemann-Album, was 2019 entdeckt wurde, auf dieser Fotografie sind nicht nur Täter zu sehen, sondern ganz unbeabsichtigt im Hintergrund auch der sogenannte Green Fence, der grüne Zaun, jener Zaun, der den Schlauch abgrenzte, ein Ort, der die Opfer von der Rampe in die Gaskammer führte."
Dieser Ort ist hier nachgestellt. Der Besucher läuft durch den sogenannten Schlauch wie die Holocaust-Opfer in Sobibor auf ihrem letzten Weg. "Green Fence ist vor allen Dingen ein Teil einer Vernichtungspolitik. Und zwar ein Teil, der vor allen Dingen versteckt gehalten werden soll. Deshalb wurde er immer wieder, wie auch das gesamte Lager, getarnt mit Tannenzweigen", so Stephan Rößler.
Doch während in Sobibor die Tannenzweige regelmäßig ausgetauscht wurden, sollen sie hier zerfallen. So verändert sich die Installation im Laufe der Ausstellung. Durch den Zerfall wird auch Kritik geäußert: Stephan Rößler: "Denn die Kritik ist, dass hier eine Form des Erinnerns stattfindet, die eben nicht immer wieder erneuert wird, sondern sich verändert. Und je mehr Leute die Ausstellung besuchen, desto schneller zerfällt es übrigens. Und dieses Zerfallen spielt eben mit dieser Metaphorik, mit diesem Bild, dass Erinnerung wach gehalten werden muss, reaktiviert werden muss."
Der zweite Teil der Ausstellung ist eine Video-Installation. Dafür ist Georg Lutz nach Sobibor gefahren und hat den heutigen Zustand des ehemaligen Vernichtungslagers gefilmt. Dabei kam es ihm auf die Spuren an, die das Lager in der Natur hinterlassen hat.
"Ob das zum Beispiel Bäume sind, die zu der Zeit des Lagers schon existierten, also so eine Art Zeugenschaft, die während der Massenvernichtung anwesend waren, aber auch Bäume, die von der SS anstatt von installierten Zaunpfählen als Zaunpfähle genutzt wurden, also einfach der Stacheldraht direkt um bestehende Bäume im Wald gewickelt wurden, die man auch bis heute noch vorfinden kann, der Stacheldraht, ganz konkret der Draht."
Aber auch die Abwehrreaktionen der Bäume zeigt das Video. Die Installation im Spendhaus in Reutlingen bleibt noch bis zum 1. November.
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