Sonderausstellung die Macht des Feuers | Bildquelle: RTF.1

Reutlingen:

Wie das Feuer die menschliche Anatomie beeinflusst hat

Stand: 23.07.26 17:04 Uhr

Anlässlich des 300. Jahrestags des Reutlinger Stadtbrands hat die Echazstadt ein breites Programm zum Gedenken an das tragische Ereignis aufgestellt. Darunter auch die Ausstellung "Die Macht des Feuers" im Naturkundemuseum Reutlingen. Auf zwei Stockwerken erfahren Besucher, wie das Feuer mit der viereinhalb Milliarden Jahre alten Geschichte der Erde verwoben ist.


Am Anfang war das Licht. Das Feuer kam aber erst etwas später. Obwohl Sonne und Magma ungefähr so alt wie das Sonnensystem sind, ist das Feuer auf der Erde ein relativ junges Phänomen, erklärt Paläoklimatologe Dr. Andreas Matzke.

"Man kennt es aus Versuchen. Da heißt es, bei 13 Prozent Sauerstoff – minimum – (Vorhandensein) kann ein Feuer richtig losgehen", erklärt Matzke. Und am Anfang gab es auf der Erde quasi keinen Sauerstoff. Es hat vier Milliarden Jahre gebraucht – knapp darüber sogar – um so viel Sauerstoff durch Evolution, durch Pflanzen zu erzeugen, damit überhaupt ein Feuer brennen konnte", so der stellvertretende Leiter des Naturkundemuseums weiter.

Bei der Sonderausstellung die "Macht des Feuers" erzählen Matzkes Exponate, wie das Feuer auf die Erde kam und wie sich beide im Laufe von 440 Millionen Jahren gegenseitig ergänzten.

Mittlerweile leben Menschen, Tiere und Pflanzen in Koexistenz mit dem Feuer, erklärt Biologin Katja Bader. "Im Laufe der Evolution haben sich da ganz viele Lebewesen daran entwickelt, nutzen es sogar für sich. Es gibt zwar wenige, aber dennoch einige Arten, die ohne Feuer gar nicht existieren könnten. Sei es in der Pflanzen- als auch in der Tierwelt", erklärt Bader.

Die Tannenzapfen der Drehkiefer sind zum Beispiel mit Harz versiegelt. Erst das Feuer öffnet diese und bringt deren Samen auf den Boden. Zudem bietet ein verbrannter Boden eine gute, nährstoffreiche Grundlage für heranwachsende Pflanzen.

Der Meister des Feuers ist allerdings der Mensch. Vom Schutz vor Raubtieren, über die Nahrungszubereitung bis hin zur hochkomplexen Herstellung von Keramik und Eisen hat sich der Homo Sapiens das Element Feuer immer mehr zu eigen gemacht, wie Museumsleiterin Barbara Karwatzki erklärt.

"Man konnte dann auch Nahrung garen, was ein ganz entscheidender Schritt in der Menschheitsgeschichte war. Einfach, weil sich dadurch auch die Anatomie des Menschen verändert hat", erklärt Karwatzki. "Das Gehirn wurde größer, indem die Nahrung besser aufgeschlossen war. Es konnte mehr Energie bei gleicher Nahrungsmenge dann auch verwertet werden", so Karwatzki weiter.

Auch das Gebiss und damit der gesamte Schädel haben sich durch das Garen der Nahrung entwickelt. Eine eindrucksvolle Demonstration der Macht des Feuers im Naturkundemuseum Reutlingen.

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