Bruderhaus Diakonie veröffentlicht Jahresbericht | Bildquelle: RTF.1

Reutlingen:

Bruderhaus Diakonie veröffentlicht Jahresbericht

Stand: 18.09.26 17:05 Uhr

Die Bruderhaus Diakonie hat ihren Jahresbericht für das Geschäftsjahr 25/26 veröffentlicht. Auch wenn wieder schwarze Zahlen geschrieben wurden, blicken die Verantwortlichen mit einem mulmigen Bauchgefühl in die Zukunft. Steigender Verwaltungsaufwand und gesetzliche Veränderungen erschweren die diakonische Arbeit.


Sie sind für Menschen mit Förderbedarf da. Die Verantwortlichen der Bruderhaus Diakonie haben auch im vergangenen Jahr ihre Services und Unterstützungsleistungen weiter ausgebaut, wie der Vorstandsvorsitzende Tobias Staib erklärt.

"Wir haben im letzten Jahr vor allem in Metzingen ein großes Pflegeheim übernommen – das Altenzentrum in Metzingen vom evangelischen Diakonissenring. Das ist ein sehr großes Pflegeheim mit etwa 130 Plätzen. Es ist unten drin ein Kindergarten der Stadt Metzingen, der auch drin bleiben wird. Eine Tagespflege gehört dazu. Und ansonsten sind es kleinere Entwicklungen in der Tagespflege, der ambulenten Hilfe in allen Hilfefeldern" so der Vorstandsvorsitzender Bruderhaus Diakonie, Dr. Tobias Staib.

Zusätzlich baut die Stiftung weitere Ersatzneubauten in Dettingen. Bei den Hilfeleistungen ist auch eine Verschiebung in Richtung der Alten- und Jugendhilfe, und weg von der Kinderbetreuung bemerkbar. Insgesamt steigt der Hilfebedarf in der Gesellschaft und das benötigt Personal, erklärt der kaufmännische Vorstand Andreas Lingk: "Wir haben im Jahr 2025 die Auslandsakquise in Namibia begonnen. Wir haben dort bereits Kontakte zur christlich-evangelischen Kirche gehabt und zum Goethe-Institut in Windhuk. Und sind deswegen auf die vom Goethe-Institut organisierte Messe für Deutsche Unternehmen eingeladen worden".

Laut Andreas Lingk war der Besuch in Namibia ein Erfolg. Insgesamt 20 Pflegekräfte aus Namibia konnte die Stiftung gewinnen.

Der Fachkräftemangel in Deutschland benötige eine verstärkte Mitarbeiterakquise aus dem Ausland. 80 Prozent der Azubis kämen demzufolge aus dem Ausland. Sie an den Standorten und in die Gesellschaft zu integrieren ist letztlich nicht nur ein finanzieller Mehraufwand. Laut Lingk führt daran aber kein Weg vorbei.

"Zum einen wollen wir natürlich erreichen, dass unsere Dienstpläne aufrecht erhalten werden, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausreichend Kolleginnen und Kollegen haben, um selber Überstunden zu vermeiden oder Urlaub nehmen zu können. [...] Darüber hinaus nimmt natürlich auch die Verwaltungstätigkeit dadurch zu, dass Leistungserbringer und Leistungsträger immer mehr Datenaustausch vornehmen müssen" so Lingk.

Die verschärften Dokumentationspflichten und der steigende bürokratische Aufwand bedeuten für die Betreiber nicht nur einen immensen Mehraufwand, sondern implizieren seitens der Gesetzgebung auch eine Misstrauenshaltung gegenüber der Arbeit der Bruderhaus Diakonie.

"Wir fordern, bevor wir an Leistungskürzungen gehen für Menschen, die die entsprechenden Leistungsansprüche haben, dass wir die Bürokratie kritisch hinterfragen. Dass wir auf digitale Schnittstellen setzen, auch zwischen Kostenträgern und Leistungserbringern" macht Staib deutlich.

Aber auch neue Gesetzesänderungen sorgen bei den Betreibern für Unmut: "Zum anderen kritisieren wir sehr stark, dass in den aktuellen Reformdebatten die sogenannte Tarifautomatik, also dass die Tarife, die wir als tarifgebundener Anbieter bezahlen, nicht mehr automatisch refinanziert sind" erläutert Staib.

Im Klartext bedeutet das, dass sich die Kassen weigern können, im Falle von Lohnerhöhungen ihre Leistungen preislich anzupassen. Dadurch würden Leistungserbringer wie die Bruderhaus Diakonie auf den Mehrkosten sitzen bleiben.

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