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Regensburg:

"Papstbruder" und Kirchenmusiker Georg Ratzinger gestorben

"Papstbruder" Georg Ratzinger, der langjährige Leiter der Regensburger Domspatzen, ist gestorben. Der ältere Bruder des emeritierten Papstes Benedikt XVI. wurde 96 Jahre alt. Noch vor Kurzem hatte ihn sein Bruder überraschend besucht.
Papst Benedikt XVI. mit Bruder Georg Ratzinger

Als das frühere Kirchenoberhaupt Benedikt XVI. gemerkt hatte - die Brüder telefonierten nahezu täglich - dass Bruder Georg Ratzinger schwächer wurde, brach Benedikt XVI. im Juni überraschend zu einem privaten Besuch nach Regensburg auf. Nun ist sein drei Jahre älterer Bruder gestorben, meldete als erstes die KNA. Ratzinger wohnte zuletzt in der Regensburger Welterbe-Altstadt. Die Verbindung der beiden Brüder Georg und Josef Ratzinger war immer eng. Beide wurden Priester, wurden 1951 auch gemeinsam zu Priestern geweiht.

 

Wohnhaus von Georg RatzingerWohnhaus von Georg Ratzinger in Regensburg

 

Benedikt XVI. und sein Bruder lebten zeitweise beide in Regensburg. Georg Ratzinger leitete den Chor der  renommierten Regensburger Domspatzen, sein Bruder war Theologie-Professor an der Universität. Später wurde er zu höherem berufen - erst in München, dann in Rom. Georg Ratzinger blieb in Regensburg. In seinen 30 Jahren als Chorleiter führte Ratzinger die Domspatzen zu neuer Größe, mit internationalen Konzerten und Einspielungen großer Werke.

Als im Jahr 2010  der Missbrauchsskandal bekannt wurde, wurde auch Georg Ratzingers Rolle hinterfragt. Er räumte in einem Interview ein, bis Ende der 1970er-Jahre Ohrfeigen verteilt zu haben. Ratzinger galt als anspruchsvoll, wird von ehemaligen Domspatzen aber auch - wenn es nicht um musikalische Leistungen ging - als menschlich und sehr umgänglich beschrieben. 

Der Bericht eines unabhängigen Sonderermittlers zu Missbrauch und Gewalt bei den Domspatzen ergab, dass Georg Ratzinger wohl Kenntnis von Vorfällen hatte, aber nicht eingeschritten war.

„Lieber Domkapellmeister, Sie waren mir ein priesterlicher Mitbruder und Ratgeber. Ihre Musik war Gebetsschule, Glaubensunterweisung und Predigt", erklärte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer zum Tod von Georg Ratzinger."Unzählige Eucharistiefeiern im Regensburger Dom und in anderen Kirchen verdanken Ihrem Dirigat Schönheit, Herzenswärme und Erhabenheit. Konzertsäle konnten Sie in Gebetshäuser verwandeln. Für diesen ganz besonderen priesterlichen Dienst danke ich Ihnen in tiefer Verbundenheit – auch im Namen der Vielen, deren Herzen und Sinne Sie erfüllten."

Georg RatzingerGeorg Ratzinger (Bild: Bistum Regensburg/Jakob Schötz)

Werdegang von Georg Ratzinger

Die Mutter, Maria Ratzinger, brachte ihren ersten Sohn Georg am 15. Januar 1924 im oberbayerischen Pleiskirchen zur Welt. Der Vater, Joseph Ratzinger, arbeitete dort als Ortspolizist. Kardinal Michael von Faulhaber weihte Georg am 29. Juni 1951 zum Priester – zusammen mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder Joseph. Das 70-jährige Weihejubiläum hätten beide gerne im kommenden Jahr zusammen gefeiert.

Am 1. Juni 1964 übernahm Georg Ratzinger das Amt des Domkapellmeisters am Regensburger Dom und verantwortete seitdem 30 Jahre lang die musikalische Leitung der Domspatzen. 1976 konnte er mit dem Chor das 1.000-jährige Bestehen feiern. Der Chor erwarb sich unter seiner Leitung internationales Renommee. Im Zentrum seines Wirkens stand immer die musikalische Entfaltung der Liturgie im Regensburger Dom. Musik war für Georg Ratzinger eine die Sinne erhebende Ausdrucksform des Gebets und der Verherrlichung Gottes.

1994 übergab Georg Ratzinger sein Amt an Roland Büchner und lebte seitdem als Kanonikus des Kollegiatstifts St. Johann in Regensburg. Im Rahmen der Aufklärung von Gewalt bei den Domspatzen bedauerte er persönliche Fehler.

Georg Ratzinger wirkte nicht nur als Chorleiter, sondern auch als Komponist. Unter seinen Werken wurde die Messe L'Anno Santo bekannt, die er dem Heiligen Jahr widmete, das Papst Johannes Paul II. zur Jahrtausendwende ausrief.

Seiner Schwester Maria, die am 2. November 1991 verstarb, und seinem Bruder Joseph blieb Georg Ratzinger sein ganzes Leben lang eng verbunden. Die Geschwister einte ein tiefer gemeinsamer Glaube. Sie waren einander Halt und Hilfe. Nachdem Bruder Joseph am 19. April 2005 als Benedikt XVI. zum Papst gewählt wurde, reiste Georg – bereits hochbetagt - regelmäßig in den Vatikan, um an der Seite seines Bruders zu stehen.

(Zuletzt geändert: Mittwoch, 01.07.20 - 14:39 Uhr   -   616 mal angesehen)
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