Spielzeug Feuerwehrauto | Bildquelle: RTF.1

Tübingen:

Darum will die Stadt Tübingen in der Kindertagesbetreuung abbauen

Stand: 16.09.26 11:38 Uhr

Mit Blick auf die städtischen Finanzen und den demografischen Wandel plant die Stadt Tübingen ein Umdenken ihrer Kindertagesbetreuungslandschaft. Ein Weiterentwicklungsprojekt soll über 13 Monate das Kinderbetreuungssystem vor Ort ganzheitlich analysieren und umformen. Sowohl die Umverteilung von Ressourcen, als auch gezielte Kürzungen stehen an.

Bereits im dritten Jahr in Folge fielen die Kinderzahlen in der Universitätsstadt geringer aus als erwartet. Das Resultat: Tübinger Kitas haben zu viele freie Plätze. Gleichzeitig fällt es vielen Tübingern aber schwer, einen Platz für ihre Kinder zu finden, besonders in der Ganztagsbetreuung. Der Grund für dieses Paradoxon, so Sozialbürgermeisterin Gundula Schäfer-Vogel, ist eher ein Mangel an Fachkräften als an Platz:

"Wir haben ein Fachkräfteproblem, wir haben Defizite im Ganztagsangebot, die wir auch adressieren werden. Aber wir müssen jetzt neu auch in den Blick nehmen, dass wir rein räumlich betrachtet zu viele Plätze haben. Und darauf müssen wir auch reagieren."

Bei der Betreuung von Kindern unter 3 Jahren gibt es zu viele freie Plätze, teils mehrere hundert. Für Kinder über 3 Jahren, besonders in der Ganztagesbetreuung, sind sie dafür knapp. Wegen Personalmangels fallen dazu noch gut 300 Kita-Plätze weg. Verfügbarkeiten variieren auch stark je nach Stadtteil. Und zuletzt fehlt es der Stadt an Budget. Unnötige Plätze müssen gestrichen werden, das könne sich die Stadt einfach nicht leisten.

"Wir wollen aber gleichzeitig auch Aspekte von der Qualität, von Struktur in der Kindertagesbetreuung betrachten", erklärt Holger Chemnitz, Leiter des Fachbereichs Bildung, Betreuung, Jugend und Sport. "Und idealerweise die Kindertagesbetreuungslandschaft so umbauen, dass wir auch Defizite, die wir beispielsweise in der Ganztagesbetreuung im Ü3-Bedarf haben, auch adressieren und vielleicht auch da zu einer besseren Situation kommen."

Wie genau das funktionieren soll, ist noch nicht entschieden. Das Projekt ist aktuell erst in Phase zwei von sechs. Noch geht es hauptsächlich um Datenanalyse. Als Nächstes sollen Kriterien für die Weiterentwicklung definiert werden. Das soll in Zusammenarbeit mit den Trägern aus der Stadt und Tagesbetreuung geschehen, aber auch Eltern einbeziehen. Das sei besonders witzig, so Chemnitz.

"Ganz entscheidend werden die Träger- und Elternworkshops im Dezember sein. Da können sich Träger und Eltern an der Erarbeitung des Kriterienkatalogs beteiligen. Ihre Kompetenzen, ihre Bedarfe einbringen. Und dann werden wir idealerweise einen gemeinsamen Kriterienkatalog erstellen können."

Noch ist also nichts entschieden, auch wenn bereits jetzt klar ist, dass Abstriche nötig sein werden. Spezifische Kitas sind aber noch nicht im Fokus, weder für Unterstützung, noch für Schließungen. Die tatsächlichen Schritte der Stadt erfahren wir wahrscheinlich erst in einigen Monaten.

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