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Der Osterhase ist kein Kaninchen! Und: Warum ein Papst Hasenfleisch verbot - Interessantes über den Feldhasen und seine Verwandtschadft

Ostern. Rund um den Osterhasen gibt es viele Mythen und Legenden. Die alten Griechen glaubten, dass der Hase der Liebesgöttin Aphrodite heilig war. Im antiken Rom verbot ein Papst den Verzehr von Hasenfleisch - es sollte die sexuelle Lust beflügeln. Für die Tradition mit den Eiern gibt es mehrere Erklärungen. Eine Geschichte besagt, dass im Mittelalter an Gründonnerstag alle Schulden beglichen werden mussten - die Zahlung konnte auch in Eiern und Hasen erfolgen.
Feldhase

Kaninchen und Feldhase sind nur weitläufig verwandt und recht einfach zu unterscheiden. „Wer sich Abbildungen unseres Osterhasen genau anschaut und ihn mit seinem lebenden Vorbild vergleicht, erkennt sofort: der Osterhase ist ein Feldhase und kein Kaninchen!", sagt Andreas Kinser, Experte der Deutschen Wildtier Stiftung. „Denn Feldhasen sind viel größer und schwerer als Kaninchen. Ausgewachsene Exemplare wiegen bis zu fünf Kilo – ein Kaninchen bringt durchschnittlich nur 1,5 Kilo auf die Waage. Die langen Löffel fallen beim Hasen sofort auf, Kaninchen müssen mit wesentlich kürzeren Ohren leben. Feldhasen haben obendrein lange Hinterbeine und sind damit über lange Strecken sehr gute Sprinter, Kaninchen flitzen dagegen mit ihren wesentlich kürzeren Beinen möglichst schnell ins Gebüsch.

Von Geburt an sind die Unterschiede zwischen Feldhase (Lepus europaeus) und Kaninchen (Oryctogalus cuninculus) unübersehbar. Kaninchen kommen nackt und blind in einer Erdhöhle auf die Welt. Der Hasennachwuchs wird hingegen oberirdisch geboren und hat schon bei der Geburt ein Fell. Hasenjunge können sofort sehen und laufen. „Feldhasen sind Einzelgänger, Kaninchen hingegen lieben das Leben in Kolonien", sagt Andreas Kinser.

Der Feldhase ist der Spitzensportler auf dem Acker! Er kann drei Meter weit und zwei Meter hoch springen. Berühmt sind seine abrupten Richtungswechsel: Er schlägt einen Haken und verwirrt so seine Verfolger. Wegen seiner langen Hinterbeine erreicht der Feldhase Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometern pro Stunde. Kaninchen hingegen suchen bei Gefahr nach Möglichkeit sofort ein Versteck auf – ihr gedrungener Körper eignet sich auf der Flucht nicht für lange Laufstrecken.

Viele Väter, viele Hasenkinder

Bei der Partnerwahl ist die Häsin resolut! Sie entscheidet, welcher Rammler als Hasenvater in Frage kommt. Dabei geht es immer um das beste Erbgut. Der Hase muss seine Ausdauer und Kraft in spektakulären Wettläufen und Boxkämpfen unter Beweis stellen. Der Partner und Samenspender kann trotz körperlicher Fitness nicht mit der Treue der Häsin rechnen. Selbst innerhalb eines Wurfs kommen Mehrfach-Vaterschaften vor. Innerhalb kürzester Zeit paart sich die Häsin mehrmals. Das allein ist nicht ungewöhnlich: Doch dass sie während der Tragezeit trächtig werden kann und sich Embryonen unterschiedlicher Entwickelungsstadien in ihrer Gebärmutter befinden, ist ein kleines Wunder der Natur. Das nennt man Superfötation. Obwohl Hasen in den ersten Lebenswochen von ihrer Mutter nur einmal täglich wenige Minuten lang gesäugt werden, ist die Häsin keine Rabenmutter. Im Gegenteil: Sie ist nur vorsichtig! Ihre Abwesenheit verhindert, dass Fressfeinde die Junghasen in der Erdmulde entdecken können.

Der Feldhase und die Ostereier

Der Mythos Osterhase hat mehrere Ursprünge. Schon die alten Griechen gaben ihrer Liebesgöttin Aphrodite die fruchtbaren Feldhasen als heiliges Tier an die Seite. Mit ihrem regen Sexualleben und vier Trächtigkeiten mit drei Jungen im Jahr werden Feldhasen ihrem Ruf gerecht. Eier waren schon im Altertum ein Fruchtbarkeitssymbol. So wurde der Feldhase in all der Zeit zum Osterhasen - mehr oder weniger. Den Job als alleiniger „Eierbringer" hat er jedoch noch nicht so lange. In Westfalen hat früher der Fuchs die Eier gebracht, in der Schweiz der Kuckuck, in Schleswig-Holstein, Oberbayern und Österreich der Hahn und in Thüringen der Storch.

Gesucht: Meister Lampe

Der Rückgang der Feldhasenpopulation hat verschiedene Gründe. Ein wesentlicher Aspekt ist der Verlust geeigneter Lebensräume. Feldhasen brauchen Büsche, Hecken und hohes Gras, um sich zu verstecken. Der Einsatz großer landwirtschaftlicher Maschinen gefährdet Junghasen, die sich bei Gefahr im Gras ducken und auf ihre Tarnung vertrauen. Außerdem werden Feldhasen zu Opfern im Straßenverkehr. Doch es gibt auch gute Nachrichten: Seit einigen Jahren wächst die Feldhasenpopulation wieder. Dr. Klaus Hackländer stellte im Rahmen seines von der Deutschen Wildtier Stiftung geförderten Habilitationsprojektes fest, dass in Gebieten mit hohem Brachflächenanteil die Anzahl der Feldhasen zunimmt. Denn hier finden Hasenmütter genau die Nahrungspflanzen, die ihre Milch nährstoffreich machen.

(Deutsche Wildtier Stiftung)

(Zuletzt geändert: Samstag, 04.04.15 - 10:50 Uhr   -   2265 mal angesehen)
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