Boris Palmer | Bildquelle: RTF.1

Tübingen:

Modellstadt & Schlagzeilen - Boris Palmer blickt auf 2021 zurück

Stand: 27.12.21 16:36 Uhr

Das Tübinger Modell sorgte im zweiten Corona-Jahr bundesweit für Schlagzeilen und fungierte oftmals als Vorbild im Umgang mit dem Virus. Schlagzeilen machte wie gewohnt auch der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer selbst - dabei nicht unbedingt immer vorbildhaft - so sorgte unter anderem ein Facebook-Kommentar dafür, dass gegen den grünen Oberbürgermeister aktuell ein Parteiausschluss-Verfahren läuft. Was es sonst noch aus der beliebten Universitätsstadt zu berichten gibt, lesen Sie hier.


Tübingen als Modellstadt

Der Oberbürgermeister der Stadt Tübingen hat wie viele seiner Kollegen ein weiteres anstrengendes Pandemie-Jahr hinter sich gebracht. Im Umgang mit Corona setzte die Stadt auf eigene Ideen und wartete oft nicht, bis das Land oder der Bund Entscheidungen traf. So setzte Tübingen vor allem auf engmaschiges Testen, wodurch Besucher der Stadt mit einem Tagesticket Läden, Friseure und kulturelle Einrichtungen besuchen konnten, während andere im Lockdown waren.

Oberbürgermeister Palmer glaubt, dass sie damit einen sehr guten Weg durch die Pandemie gefunden haben. "Ich möchte mich auch bei Lisa Federle und den ganzen Ehrenamtlichen bedanken, die da so wahnsinniges Engagement gezeigt haben. Und mich persönlich hat es auch gefreut, dass es da eine Zeit lang diese Dankes-Schilder in den Schaufenstern gab. Die Dankes-Tickets. Denn es war mir ein wichtiges Anliegen, dass der Handel die Pandemie übersteht und wir nachher nicht vor leeren Innenstädten stehen."

Auch weitere Aktionen wie beispielsweise das Sport-Projekt „Bewegt Euch" kam aus Tübingen. Zusammen mit Schirmherren wie Jan Josef Liefers und Michael Antwerpes, sorgte auch dieses Projekt für positive Schlagzeilen.

"Möchte nicht zum Sprechautomaten werden"

Oberbürgermeister Boris Palmer hingegen fiel mit nicht ganz so positiven Kommentaren auf – besonderer Aufreger: Palmer benutzte das N-Wort in einem Facebook-Post im Zusammenhang mit dem Fußballer Dennis Aogo.

Palmer hatte eine andere Userin zitieren wollen, wohl aber vergessen, diesen Satz als Zitat zu kennzeichnen. Palmer musste sich erneut Rassismusvorwürfe gefallen lassen. Doch warum passiert das dem eigentlich rhetorisch gewandten Palmer immer wieder?

"Ich bin einfach nicht bereit mich auf diese neuen Regeln einzulassen, dass jedes Wort auf die Goldwaage gelegt werden muss, dass schon ein falscher Begriff zu riesiger Empörung führen kann und zu allen möglichen Unterstellungen, immer gerne auch Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit – da möchte ich mich nicht drauf einlassen, ich möchte nicht zum Sprechautomaten werden, der mit einer Schere im Kopf spricht", erklärt Palmer.

Das Ergebnis: Auch seine Partei steht nun langsam nicht mehr hinter ihm. Palmer muss sich einem Parteiausschluss-Verfahren stellen. Äußern kann und will er sich dazu momentan nicht.

Abgelehnte Innenstadtstrecke: Nachwahlbefragung soll Aufschluss geben

Eine weitere Niederlage für den Oberbürgermeister war auch das Ergebnis des Bürgerentscheids zur Regionalstadtbahn. Zusammen mit vielen Befürwortern hatte er für Stimmen gekämpft – am Ende vergebens. Über das Ergebnis ist er bekanntlich traurig.

"Ich hätte mir gewünscht, dass sich die Mehrheit für die Innenstadtstrecke ausspricht und jetzt müssen wir natürlich überlegen, was das im Nachhinein bedeutet", so Palmer. Jetzt werde es eine Nachwahl-Befragung geben, deren Ergebnisse voraussichtlich im komemenden Jahr erscheinen werden. "Aber dann wissen wir genauer, was die Menschen uns sagen wollten. Und können dann die richtigen Schlüsse daraus ziehen."

"CureVac hat Großartiges geleistet"

Stolz ist Palmer hingegen auf die Leistung des Tübinger Unternehmens CureVac – auch wenn diese nicht das Rennen um den Corona-Impfstoff für sich entscheiden konnten.

"Das ist für Tübingen ein bisschen schade, weil ehrlicherweise, wenn ich lese, dass BioNTech im Quartal 5 Milliarden Euro Gewinn macht, dann kann ich mir ausrechnen, wie viel Gewerbesteuer das bedeutet." Da sei sozusagen der Checkpot an ihnen vorbeigegangen. Aber Palmer ist überzeugt, dass die Firma Großartiges geleistet hat und sie weiterhin Chancen hat, auch Produkte auf den Markt zu bringen.

Der Gründer von CureVac und Entdecker der mRNA Dr. Ingmar Hoerr wurde im November daher auch die Ehrenbürgerwürde der Stadt verliehen.

Wird Palmer erneut als OB kandidieren?

Mit Blick auf 2022 ist aktuell wohl die spannendste Frage, ob Boris Palmer erneut kandidieren wird. Bisher ist er sich noch unsicher.

"Ich habe gerade mal ein Gespräch geführt mit Eugen Schmid, unserem Ehrenbürger und meinem Amtsvorgänger, wie er das damals entschieden hat. Er hat gesagt, er hat sich eine lange Liste von Plus und Minus Gründen auf dem Papier gemacht und am Ende war er auch nicht klüger gewesen." Die Frage sei schwierig und müsse wohl überlegt sein. Und das stehe für ihn nun an. "Auch für die Stadt habe es durchaus Bedeutung, wer in diesem wunderbaren Rathaus die Geschäfte führt."

Die Liste habe er gemacht, erzählt Palmer anschließend, ein Ergebnis habe es ihm aber nicht gebracht. Bleibt also abzuwarten, ob Boris Palmer sich für eine dritte Amtszeit zur Verfügung stellen wird.

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